Amoklauf an Schulen was können wir daraus lernen?
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Autor: Fritz Henke
Mail: kontakt@lichtpyramide.de

Inspiriert vom Interview habe ich mich entschlossen das Thema weiterzuführen.

Amoklauf an Schulen was können wir daraus lernen?

In letzter Zeit häufen sich Meldungen, in denen jugendliche Schüler zu Amokläufern wurden und ihr Gewaltpotenzial in Schulen gegen Schüler und Lehrer richteten. Die Bilanz an Toten und Verletzten ist erschreckend. Doch kein Amokläufer konnte aussagen, warum er diese schreckliche Tat umgesetzt hat. Alle haben sich zum Schluss selbst das Leben genommen.

Gegenmaßnahmen, die hoch im Kurs stehen, sind ein schärferes Waffengesetz, Kontrollen an den Schulen und das Verbot von gewalttätigen PC-Spielen. Es scheint so, dass in diesem unserem Lande alles per Gesetz geregelt werden muss. Kaum jemand ist bereit, sich zu fragen, wo so ein Gewaltpotenzial herkommt und warum es gerade an Schulen auftritt. Schnell wird nach Verantwortlichen gesucht, und so spricht man von psychisch gestörten Kindern, Eltern die versagten oder Personen, die eine Auffälligkeit nicht gemeldet haben. Auch die Polizei wird schon mit einbezogen, wenn es darum geht, einen Gewaltakt nicht verhindern zu können. Ein Umdenken täte hier gut.

Die Gewalt an Schulen ist schon seit vielen Jahren bekannt. Richtete sie sich anfangs nur gegen Mitschüler, so wurden später auch Lehrer tätig angegriffen und Klassen demoliert. Auch hier wurde nicht wirklich hingeschaut, was zu diesen Aggressionen führte. Anfangs waren es Schulen mit einem hohen Anteil an Ausländerkindern, später fielen auch deutsche Kinder auf, die in desolaten Familienverhältnissen lebten.

Möchten wir weiter Symptome behandeln oder Ursachen erkennen und verändern?
Ein schärferes Waffengesetzt wird sicher keinen Amoklauf verhindern, sondern nur dessen Umsetzung. Doch auch Brandbeschleuniger, Haushaltsreiniger und Pflanzenschutzmittel können als Waffen eingesetzt werden und verheerenden Schaden anrichten. So hätten die Todeskandidaten auch mit selbstgebastelten Bomben und Brandbeschleunigern ans Werk gehen können.

Wenn darüber nachgedacht wird, gewaltverherrlichende PC-Spiele zu verbieten, sollte auch darüber nachgedacht werden, dass gewaltverherrlichende Kriegsfilme und patriotisch ausgerichtete Aktionfilme mit realistischen Schlachtszenen ebenso verboten werden müssen. Warum geschieht dies nicht und warum ist die Nachfrage nach solchen Spielen und Filmen so groß?

Die Ersatzbefriedigung Film
gibt es als heile Welt Version eines perfekten Miteinanderlebens. Hier werden Werte und Tugenden übermittelt und idealisiert. Gleiches geschieht auf der schwarzen Seite der Macht, dem Gegenpol, wo die Werte und Tugenden anders ausschauen und Helden gefeiert werden. Und wie schaut es aus mit Erotikfilmen, die einst unter dem Ladentisch gehandelt wurden und heute mit Altersbeschränkung frei verkäuflich sind? Auch hier gibt es Filme, die die schwarze Seite zeigen, die ich hier nicht ausführen möchte.

Kein Film und kein PC-Spiel würde produziert, wenn es keine Nachfrage gäbe. Aktion und Gewalt ist ein riesiges Geschäft geworden und selbst die Tagesschau bedient sich solcher blutigen, gewalttätigen Bilder, in denen Kinder auf Kinder schießen. Aber im Krieg wird leider Gottes vieles relativiert und toleriert. Auch hier geht es um die Guten und die Schlechten, und für einige sind die Schlechten die Guten. Wenn ich genau hinschaue, so bekämpft der Mensch Gewalt mit Gewalt und wundert sich darüber, dass es nicht funktioniert. Er ist es auch, der sich als sehr intelligent einschätzt und stolz auf sein Waffenpotenzial ist, welches nie zu Frieden führt, sondern immer zu Kriegen führen muss, damit es sich verbraucht und absurderweise Arbeitsplätze sichert.

Was ist nur los auf der Welt, wenn Kinder zu Amokläufern werden?
Welche Perspektiven sehen sie in der heutigen Zeit, wo sich scheinbar alles ums Geldverdienen dreht? Was ist aus der Wärme der Familie geworden, in der früher noch mehrere Generationen lebten? Wie schaut es aus, wenn ein Vater arbeitslos wird und die heranwachsende Generation in den Medien hört und liest, dass es keine Lehrstellen gibt? Was geschieht, wenn ein Elternteil alkoholabhängig ist und auch mal zuschlägt? Wie steht es mit dem Leistungsdruck an den Schulen, dem viele Eltern und Kinder, wie auch Lehrer nicht gewachsen sind? Ich glaube, ich habe verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, die ein Frustpotenzial entstehen lassen können. Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche reagieren darauf mit Krankheit und Wut, die sie indirekt gegen sich richten und die letztendlich zu Gewaltbereitschaft führen kann.

Die Gruppe der Jugendlichen ist aber in einer sehr labilen und instabilen Verfassung. Ihre Körper durchlaufen einen Wandlungsprozess, der einmalig ist. Gefühl und Verstand stimmen nicht mehr überein, Werte verändern sich und die Suche nach ihrer eigenen Identität lässt sie so manches Wechselbad erfahren. Auch für mich als Vater war es keine tolle Erfahrung, ich fühlte mich manchmal ohnmächtig und überfordert. Doch wo lernen Eltern, wie sie ihre Kinder sicher durch die Pubertät lotsen? Wo lernen sie, Konflikte am Arbeitsplatz friedlich zu lösen? Leider dienen die Eltern und darüber hinaus die Gesellschaft als Vorbild für eine nachwachsende Generation. Wir leben in einer derart polarisierten Gesellschaft, dass unser Umgangston immer häufiger als Waffe dient. Auch hier wäre es sinnvoll umzudenken. Ein Sprichwort sagt: „Wie du in den Wald hinein rufst so schallt es heraus“. So kann ein jeder von uns Einfluss nehmen und zum verbalen Abrüsten beitragen.

Mir fällt auf, dass wir versuchen, Probleme die in unserer Gesellschaft und im zwischenmenschlichen Leben entstehen, mit Verboten zu lösen.
Auch wenn wir uns nicht immer wohl dabei fühlen, sind wir oftmals davon überzeugt, dass es gut und richtig ist. Es macht wenig Sinn, immer nur zu kritisieren und anzuklagen und neue Verbote auszusprechen. So öffnet ein kleines Lob so manche Tür, die ein Verbot verschlossen hat. Unser Sohn 12 Jahre übt gerne mit einem Lernprogramm Schreiben am PC. Worte wie gutgemacht, prima und ein lächelndes Gesicht motivieren ihn. Doch auch in gewalttätigen PC-Spielen wird so motiviert und aus manchem Spieler wird ein Held. Sehr schnell akzeptiert unser Gehirn die virtuelle Realität. Wer hat es nicht schon erlebt, sich plötzlich mitten im Kinofilm zu sehen und diesen mit realen Gefühlen zu erleben. Wer träumt nicht davon, ein Held zu sein, natürlich ein guter? Wer wünscht sich keine Zuwendung, die kleine Belohnung für unsere Seele, die sich so manch einer mit Schokolade erfüllt? So könnten aus Verboten Gebote werden, die belohnt werden, wenn sie eingehalten werden. Stellen Sie sich einmal vor, sie fahren durch die Radarkontrolle und werden raus gewunken und mit 20 Euro belohnt, weil sie vorschriftsmäßig gefahren sind, während ihr Vordermann, der sie schnell noch überholt hat, tief in die Tasche greifen darf. Es braucht den Gegenpol als Ausgleich, und der ist uns oftmals abhanden gekommen.

Wie sie sehen, geht es hier nicht nur um unsere Kinder, sondern um unser Leben und auch Überleben hier auf unserem Planeten. Lernen und Arbeiten sollte Freude bereiten und keine Last sein. Was lernt ein Kind, bis es in die Schule kommt? Es lernt eine Sprache, ohne dass es lesen kann. Für mich ist das ein kleines Wunder, und wenn wir genau hinschauen, gibt es viele Wunder, die jeder von uns täglich leistet und nur wenige sehen wollen. Ich glaube, wir brauchen weniger Verbote und mehr Toleranz und Mut, damit das Leben kein Überlebenskampf wird, denn dazu ist es zu wertvoll. Das Leben ist ein Geschenk. Es kann nicht mit Geld aufgewogen werden und es hat ohne Geld begonnen.