Warum ein Wiedereinstieg in den Atomausstieg?
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lesen Sie auch meinen Artikel: Klimawandel durch Verschiebung der Erdachse erschienen Oktober 2007 in Welt der Esoterik
Quelle: Sonntags Anzeiger 20.März 2011 17. Jahrgang www.sw-anzeiger.de Tschernobyl Helfer Erwin Koch berichtet von den Nachwirkungen
Freitag, 18. März 2011 13:30
Bild: Fritz Henke
Die Angst vor dem schlafenden Riesen
Schweinfurt (el) „Schnell weg!“ meint Erwin Koch als erstes Mittel. um sich im Falle einer Atomkatastrophe in Sicherheit zu bringen. Der 64-jährige Unfindener ist einer der Mentoren der Tschernobyl-Hilfe, die hier in der Gegend seit 25 Jahren Gegenstände des täglichen Bedarfs sammeln, um den Opfern der Atomkatastrophe vom 26. April 1986 zu helfen.
Die heutige Situation in Japan erinnert ihn sehr an die Abläufe damals. Aber er befürchtet „der Katzenjammer kommt erst noch“. In Tschernobyl sei nur ein Reaktor außer Kontrolle geraten, in Japan dagegen sind es deren gleich vier. Und die Spätfolgen werden „mit Sicherheit“ kommen. Welche, dies sind erlebt der Rentner schon seit 25 Jahren.
Alljährlich lädt die Tschernobyl-Hilfe Kinder zu Erholungsurlauben ein und immer wieder erkundigt sich auch eine Delegation vor Ort. Zwar sei damals viel vertuscht worden und Messwerte nach unten korrigiert worden, dafür dürfte der Austritt radioaktiven Materials heute wesentlich höher liegen. Die damalige Sowjetunion habe bei den Löscharbeiten auch wenig Rücksicht auf die Gesundheit des eingesetzten Personals genommen, weiß Koch aus persönlichen Gesprächen zu berichten. Wer sich weigerte, wurde wie ein Deserteur behandelt. „Die sind wie bei einem normalen Brandeinsatz ohne besondere Schutzanzüge mit Feuerwehrfahrzeugen vorgefahren“. Die Haut einiger Feuerwehrleute habe nach dem Einsatz wie bei gegrillten Hähnchen ausgesehen, berichtet Koch weiter. Nicht etwa durch die Hitze, sondern aufgrund direkter Strahleneinwirkung. Wenige Tage später waren diese Einsatzkräfte alle tot. Er selbst kannte einen der Liquidatoren für das Vieh. Bis zum 5. Mai 1986 musste dieser sich in dem Gebiet aufhalten, bis er soweit verstrahlt war, dass er abgelöst wurde. Nach und nach sind ihm alle Zähne ausgefallen.
Ihm und der Bevölkerung wurde zudem weis gemacht, dass das Vieh erschossen und vergraben wurde. Erst 1996 wurde bekannt, dass das Vieh in der gesamten Sowjetunion und auch im Ausland in die Metzgereien gelangte. Ersatzteile und Mobiliar von geplünderten Autos und Wohnungen wurden ohne Rücksicht auf die Verstrahlungen weiter veräußert, teilweise sogar von Polizisten.
Koch sieht den Grund für unzureichende Aufklärung der Bevölkerung aber nicht nur in Vertuschungsversuchen, sondern schlichtweg in Unkenntnis. Schließlich habe niemand praktische Erfahrung mit derartigen Katastrophen. Das was geübt wird, tritt normalerweise so nicht ein, weil man ja darauf gefasst ist und sich entsprechend einstellen kann. Bei einem Super-Gau laufe aber alles aus dem Ruder. „Man riecht sie nicht, man sieht sie nicht, man hört sie nicht und man schmeckt sie nicht, das macht sie so gefährlich“ erläutert Koch weiter. Viele meinen deshalb, dass es schon so schlimm nicht sein kann. Eine trügerische Fehleinschätzung, die nach Kochs Ansicht scheinbar auch in Japan weit verbreitet ist, „obwohl die durch die Atombombenabwürfe von 1945 gewarnt sein müssten“.
Ob die radioaktiven Mengen jedoch so hoch in die Luft geschleudert wurden wie in Tschernobyl mag Koch nicht beurteilen. Die japanischen Reaktoren würden im Gegensatz zu Tschernobyl nicht mit Graphit gekühlt, was andere Beurteilungsgrundlagen darstelle.
Dennoch hält er die mittels Radius ermittelten Evakuierungszonen nicht für zielführend. „In der Ukraine waren teilweise noch 350 km vom Unglücksort entfernt Evakuierungen nötig, das 150 km entfernte Kiew kam hingegen bezogen auf die Dimension relativ glimpflich davon“, berichtet der ehemalige Mitarbeiter der Motorenversuchsabteilung von Sachs weiter. Die Stadt Poleskoje liegt 40 km von Tschernobyl entfernt und wurde erst fünf Jahre später evakuiert, nachdem die Menschen dort nach und nach weggestorben sind.
Auch 25 Jahre nach dem Unglück sieht Koch noch keine wesentliche Verbesserung für die Lebensumstände der Menschen vor Ort. Noch immer brechen überdurchschnittlich mehr schwere Krankheiten in der Region um Tschernobyl aus als anderenorts. Nicht nur Krebs, sondern auch Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems oder psychische Krankheiten hat Koch beobachtet. „Manche bewegen sich wie nach einem Schlaganfall oder sind von jetzt auf gleich aggressiv, aber auch die Selbstmordrate ist sehr hoch“.
Und bei den nach dem Unglück auf die Welt gekommenen ist die Behindertenrate besonders gravierend. Viele jungen Frauen und Männer sind zudem unfruchtbar. Es gebe aber auch bei Verstrahlen seltene Fälle, denen eine außergewöhnlich hohe Kontamination fast nichts ausmacht. Grundsätzlich gilt, dass ältere Semester weniger Strahlung aufnehmen. Kinder hingegen nehmen an einem Tag soviel Strahlung auf, wie ein Erwachsener an 76 Tagen. Deshalb traf es die direkt am Reaktor gelegene Stadt Pripjat besonders heftig, denn hier lebten viele junge Ingenieure mit ihren Familien.
Liebe Leserin, lieber Leser,
so wie Sie bin auch ich mehr als erschüttert über die Ereignisse, die sich zur Zeit in Japan ereignen. Traurig stimmt mich wie die Diskussion über Laufzeitverlängerungen in Deutschland geführt wird. Es scheint hier eine Energiebilanz nach Gewinn und Verlust aufgestellt zu werden. Die Gemeinden verdienen an der Gewerbesteuer der AKW Betreiber. Das Land möchte nicht auf die Mehrwert - und Einkommensteuer verzichten. Und dann geht es noch um die vielen Arbeitplätze, die durch die AKWs gesichert werden. Doch es bleibt ein Restrisiko!! Warum versichert weltweit keine Versicherung das Restrisiko eines Atommeilers?
Wie steht es mit dem Restrisiko der Castorbehälter und deren Einlagerung?
Bis heute gibt es weltweit kein Atomares Endlager. In Deutschland genehmigte Zwischenlager erweisen sich leider nicht als geeignet. Das Restrisiko einer Grundwasserverseuchung durch austritt von Radioaktivität ist nicht auszuschließen. Verseuchtes Grundwasser folgt physikalischen Gesetzmäßigkeiten und kann von Bäumen, Pflanzen usw. aufgenommen werden.
Schauen wir uns mal die Bilanz nach einem Supergau an. Unzählige Strahlenopfer sterben, andere vegetieren Jahre dahin und Generationen leiden an Missbildungen. Über einen langen Zeitraum können keine Nahrungsmittel angebaut werden. Das Trinkwasser ist radioaktiv verseucht. Tierhaltung ist wegen der Strahlenbelastung nicht möglich. Wenn es noch möglich ist Produkte zu produzieren, sind diese auf dem Weltmarkt, wegen der Strahlenbelastung nicht zu verkaufen. Ein Land oder ein Kontinent wäre bankrott. Möchten wir so ein Restrisiko tragen? Ich nicht! Liebe Grüße, Fritz Henke