Eine kleine Geschichte vom Geben und Nehmen
Geldverlust, Zukunftsangst, Einsicht

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Die Turbulenzen der letzten Wochen sind vorbei. Die Auswirkungen werden uns jedoch noch lange erhalten bleiben. Und sie sind ebenso wenig überschau- wie berechenbar.

Mit dem Geben und Nehmen scheint es nicht mehr so recht zu klappen. So sprach in der Vergangenheit ein Mann, der das Amt des Bundeskanzlers bekleidete, von einer Nehmermentalität bei unseren Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Dieser Mann war aber mitverantwortlich dafür, dass ein Papier verabschiedet wurde, welches die Öffnung für den Handel mit hochspekulativen Aktien erlaubte. Demnach schien die Sache nicht ganz uneigennützig gewesen zu sein. Welch eine Ironie, wenn sich Raffgier von oben nach unten ausbreitet und heute die Gesellschaftsspitze im Brennpunkt steht. Raffgier, dieser Virus ist hoch ansteckend und führt immer zum Kollaps, weil kein Gleichgewicht zwischen dem Nehmen und Geben besteht und somit der Gegenpol fehlt. Einatmen bedingt Ausatmen, sonst würde der Mensch ebenso ersticken, als wenn er nur ausatmet. So hilft es uns nicht anzuklagen, weil wir dadurch unser schöpferisches Potenzial nutzen, um das zu stärken, was wir ablehnen. Denn erst die Zurückhaltung des Einen führt dazu, dass ein Anderer mehr Macht erhält. Ein Volk, welches unterwürfig seine Arbeit leistet, braucht einen starken König, dem es sich unterwerfen kann. Schauen wir uns die Länder unserer Welt an so zeigt sich noch heute dieses Bild. Und es zeigt sich in demokratischen Regimen ebenso wie in kommunistischen.

Unser Zinssystem
Würden Sie Familienangehörigen uneingeschränkt zinslos Geld ausleihen, welches Sie im Moment nicht benötigen? Stimmt nachdenklich, oder? So einfach ist das, wenn ich selbst nicht das Risiko tragen möchte, empfehle ich lieber eine Bank mit einem geringen Darlehenszins. Die Bank übernimmt als ein Dienstleistungsunternehmen diese Funktion und gibt Geld. Der berüchtigte Zins ist die Gewinnmarge der Bank. Schließlich käme kein Autohändler auf die Idee, seine Fahrzeuge zum Einkaufspreis zu verkaufen. Doch fragen Sie sich, wer am Einkaufspreis schon alles verdient hat? Wohl kaum, denn Sie möchten auch Ihre Arbeitszeit bezahlt bekommen. Die Bank trägt darüber hinaus ein Risiko, denn nicht jeder Kredit wird ordnungsgemäß zurückgezahlt. Als Unternehmen braucht sie, wie der Autohändler, Angestellte und stellt ihnen Arbeitsplätze zur Verfügung. Es kann daher hilfreich sein, den Zins als Verdienstspanne zu sehen, von dem auch Kosten gezahlt werden und der nicht gleich Gewinn bedeutet. Auch gibt es diejenigen, die glauben, das Zinssystem sei Schuld am Geldmangel.

Geldmangel
entsteht, wenn Geld nicht fließt, weil es aus Angst auf Sparkonten, in Aktien oder in Gold gebunden ist. Geldmangel entsteht auch, wenn zwischen den Banken kein Geld mehr fließt. So wird es Zeit, dass ein Umdenken von oben nach unten stattfinden kann. Die hohen Gewinne mancher Großkonzerne, Banken, und an dieser Stelle möchte ich auch unsere Regierung einreihen, sind in der Vergangenheit aus Angst, nicht mehr wettbewerbsfähig zu bleiben, in einem zu geringen Umfang an ihre Mitarbeiter, wie auch Bürger, zurückgeflossen. So wurde mit dem einbehaltenen Kapital an der Börse gespielt. Dieses Spiel machte auch vor gemeinnützigen Organisationen nicht halt. Es breitete sich durch die Versicherungsgesellschaften bis in die Regierungsebene aus, wo der Staat Bundesanleihen, Bundesobligationen ausgibt, die Schuldverschreibungen sind. Erst die Angst schafft Neid und Gier und ist somit ein perfektes Instrument, um die Trennung zwischen den Menschen aufrechtzuerhalten. So wurde immer mehr das Fundament, das Rückgrat, abgetragen, bis letztendlich das Hochhaus zusammenbricht, was aus Angst und auf Profit aufgebaut wurde. Politische Entscheidungen waren daran maßgeblich beteiligt und sind somit mitverantwortlich für die Geschehnisse.

Viele Banken
haben den Blick für das Wesentliche verloren. So führte Gewinnstreben zur Blindheit und zum Vergessen der eigenen Verantwortung. Während ein Großunternehmen in Deutschland nach seinem Höhenflug nicht aufgefangen wird und pleite gehen kann, scheint das bei unseren Banken anders zu sein. Ihre Verantwortungslosigkeit gegenüber ihren Kunden wird durch staatliche Bürgschaften und Kredite abgefangen. Da dies nicht Aufgabe der Allgemeinheit ist, sollten die Banken zu ihrem eigenen Schutz verpflichtet werden, das ihnen anvertraute Geld im Sinne ihrer Kunden abzusichern.

Das Instrument Börse
ist nicht mehr berechenbar und in einem hohen Maße gefährlich geworden, weil es von wenigen Menschen beeinflusst werden kann. Die Streuung von Informationen oder Fehlinformationen kann zum Kauf oder Abstoßen von Aktien führen. Falls dieses Instrument aufrechterhalten bleibt, braucht es neue Spielregeln. Wünschenswert wäre es, die Börse zu schließen. Eine Beteiligung an Firmen wäre auch ohne Börsennotierung möglich und die Gefahr feindlicher Übernahmen könnte vermindert werden. Die Rohstoff- wie auch Lebensmittelpreise könnten sich wieder auf ein vernünftiges Maß einstellen, weil sie nicht mehr der Spekulation unterliegen. Auch wäre es wünschenswert darüber nachzudenken, in wie weit wir etwas verkaufen können, was uns nicht gehört. Hehlerei nennt man so etwas. Der Mensch verkauft die Erde, eingeteilt in Grundstücke, er verkauft Wasser, Öl, Erdgas und alle Arten Pflanzen, Steine, Mineralien und macht selbst vor Lebewesen nicht mehr halt. So wurden und werden Kriege um die Rohstoffe der Erde geführt.

Inflation?
Ich glaube, die Sorge vor einer Inflation ist nicht berechtigt. Der Wertverfall zurzeit ist rechnerisch, daher eher spekulativer Natur. In der Vergangenheit setzte eine wirkliche Inflation Kaufkraft voraus. Diese Kaufkraft entstand damals, weil Banknoten gedruckt wurden, die nicht mehr durch Gold gedeckt waren, um die Konjunktur anzutreiben. Diese lies die Preise in allen Bereichen stetig steigen, welches zu einem realen Geldverfall führte. Seit der Euroumstellung gibt es Regelungen, wie viel Geld in den einzelnen Ländern im Umlauf sein darf. Auch ist Gold als Gleichgewicht, also als Gegenpol nicht mehr in dem Umfang vorhanden, wie es bei der Deutschen Mark der Fall war. Somit handelt es sich zurzeit um eine künstlich geschaffene Inflation, die durch Börsendaten die Preise nach oben und nach unten treibt. So sind heute viele Waren, Produkte und Dienstleistungen sehr viel billiger als vor einigen Jahren und wenige Rohstoffe und Lebensmittel so stark gestiegen, dass unter dem Strich noch eine Teuerungsrate steht und das bei niedrigeren Lohneinkünften.

Kaufkraft
entsteht durch eine gerechte, leistungsbezogene Entlohnung wie auch durch ein einfaches, transparentes Steuersystem, welches Betriebe wie auch Arbeiter entlastet. Die umsatzbezogenen Spitzenlöhne werden in der arbeitenden und produzierenden Schicht erwirtschaftet. So schwindet die Kaufkraft im Fundament, welches getragen wird durch die Arbeiter. Diese bilden die größte Gesellschaftsschicht und tragen vorrangig zur Versorgung der Familien und zum Konsum bei. Gehälter, die weit über das Maß hinausgehen, fließen nur zu einem kleinen Umfang in den Kreislauf zurück. Ein sehr großer Teil wird gewinnorientiert angelegt und steht somit dem Kreislauf nicht mehr zur Verfügung. Leider verhält sich unsere Regierung auch an dieser Stelle nicht vorbildlich. Die hohen Steuereinnahmen fließen immer noch in einem zu geringen Maße der Allgemeinheit zu. Auch hier lebt das System kopflastig und auf Kosten seiner Bürger. Wachstum um jeden Preis? So wird über CO2-Einsparungen gesprochen und Großflughäfen, Autobahnen und Häfen ausgebaut. Seit einigen Jahren ist Deutschland mit Soldaten bei Auslandeinsätzen vertreten die von der Bushregierung verursacht wurden. Bezahlt wird dies alles aus Steuergeldern. Es wäre schön, wenn auch hier ein Gleichgewicht zwischen der regierenden Masse und dem Volke entstehen könnte und wieder mehr im Sinne des Volkes entschieden würde. Welchen Preis haben wir für unsere Errungenschaften, auf die viele so stolz sind, bezahlt und sind wir dadurch wirklich glücklicher und zufriedener geworden?

Mangeldenken breitet sich aus
und führen zum Sparen. Dies hat Auswirkungen auf die Produktion und auf die Steuereinnahmen, wo ebenfalls weiter gespart wird, bis der Kreislauf ganz zum Stillstand kommt. Auch hier sollten wir damit aufhören, auf die Anderen zu zeigen, um sie verantwortlich zu machen für die eigene Lage. So ist die Angst ein schlechter Ratgeber. Wenn ich selber nicht geben möchte, so wird mir auch nicht gegeben. Es entsteht das Bewusstsein „ich bin arm“. Doch auch das Bewusstsein „ich bin reich“ hat Angst davor, alles zu verlieren. Mangel ist nur ein Gedanke, der entstanden ist aus Angst, nicht genug zu erhalten. Und die Erfahrungen des Mangels haben wir häufig genug erlebt. Sie sind tief in unserem Emotionalkörper verankert. Wir leben immer noch und das wird auch so bleiben. Es gibt also keinen wirklichen Grund, weiterhin am Mangeldanken festzuhalten, weil sich die Situation dadurch nicht verbessern wird. Wir, die Armen wie die Reichen, haben die Chance, uns aus dem Armutsbewusstsein zu befreien, denn der menschliche Wert ist nicht mit seinem Verdienst verknüpft. Vielleicht werden wir bald keine Zeit mehr haben, uns ums Geldverdienen zu kümmern, weil es unwichtig geworden ist.

Es gibt viel zu tun, um die kommenden Veränderungen
meistern zu können. Wir sollten uns darauf einstellen, ein Leben zu führen, welches mehr unserem wahren Leben, dem Leben unserer Göttlichkeit, und weniger unserem wirtschaftlichen Leben, dem Leben unserer irdischen Persönlichkeit, entspricht. Es wird ein Leben sein, welches nicht mehr von Profit geprägt ist sondern von Verständnis, einer Qualität unseres Herzens. Ein Leben, welches in Einklang mit der uns anvertrauten Natur geschieht, damit auch ein Leben für unsere Nachkommen gesichert werden kann. So werden sich Prioritäten verschieben, um wieder ein Gleichgewicht zwischen unserer inneren und unserer physischen Kraft herzustellen. Gefühl und Verstand treten dann wieder in Verbindung und schaffen die Grundlage, damit ein eigenverantwortliches Leben geführt werden kann. Die Wichtigkeiten von heute verlieren dann ihren Reiz. Es wird sinnvolle Dinge geben, die einen wirklichen Nutzen in sich tragen und nicht mehr die irdische Persönlichkeit berauschen. Vielleicht verzichten wir sogar irgendwann auf unser Zahlungsmittel, weil es keinen wirklichen Wert und Nutzen mehr für uns hat. Dann haben wir verstanden, worum es wirklich geht, was der Wert eines Lebens ist, was wirklich zählt und wofür es sich lohnt zu leben.

Autor: Fritz Henke November 2008