Die Hilfe die die Sexualität in sich trägt
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veröffendlicht in: Die Welt der Esoterik Januar 2006 PDF Originalartikel

Nach den Errungenschaften des sexuellen Durchbruchs, der sexuellen Freiheit und des anonymen Verkehrens müssten wir doch sehr viel glücklicher, zufriedener, fröhlicher und vielleicht auch dankbarer sein, als in der Zeit zuvor. Doch kann ich dieses Bild, auch wenn ich mich noch so anstrenge, nicht sehen.

Was ich allerdings sehe, ist ein Hochglanzbild von dem, was wir als Erotik und im Weiteren mit Sexualität verknüpfen. Es ist perfekt auf das ausgerichtet was an sexuellen Wünschen, Phantasien und Visionen in die Atmosphäre eingespeist wurde. Makellosigkeit, Schönheit und Ästhetik sind die Bausteine. Doch es sind Vorstellungen, Phantasien, die sicherlich aus einem scheinbaren Mangel entstanden sind und dadurch nicht der Realität entsprechen können. Dieses Bild, das ich sehe, ist schön, es ist perfekt, aber auch tot und kalt, es fehlt ihm die Lebendigkeit, die Liebe.

Die Magie der Sexualität erzeugt auf der einen Seite eine große Anziehung und auf der anderen Seite eine ebenso große Angst davor. Wie kann das sein, wenn es sich doch dabei um die schönste Sache der Welt handeln soll?

Gehen wir einmal eine Stufe tiefer. Die Bereitschaft sich einem geliebten Menschen zu öffnen, zu offenbaren, könnte missverstanden werden. Oftmals haben wir dem geliebten Menschen vertraut und dieses Vertrauen ist nicht erwidert oder missbraucht worden.

Mag sein, dass ein jeder Mensch für sich Überlebensstrategien entwickelt hat um sich zu schützen. Mag sein, dass daraus ein übermäßiges Kontrollieren entstanden ist. Dadurch wäre es zu verstehen, dass viele von uns in ihrem Partner oder anderen Menschen eine unbewusste Bedrohung sehen. Eine äußerst schwierige Grundlage, wenn es darum geht sich einem Menschen, einem Bruder, einer Schwester zu öffnen.

Viele von uns wissen, dass sie gottgewollt sind und aus der gleichen Quelle stammen, doch ebenso viele können dies nicht in sich fühlen. Sie wissen es, doch Wissen ist geduldig und hat nichts mit Weisheit oder der Wirklichkeit zu tun. Wissen kann Macht sein und sich in Machtspielen, auch in der Sexualität, widerspiegeln. Wie oft wurde und wird die Sexualität dazu genutzt Schuldgefühle zu erzeugen oder den Partner zu belohnen? Eine Umsetzung, die wohl kaum zur Annahme der Andersartigkeit führt.

Doch wie war es am Anfang, als unser Partner noch ein unbeschriebenes Blatt war? Fällt es schon schwer sich daran zu erinnern? War so etwas wie ein Gefühl von Bedingungslosigkeit da gewesen, die es dem Partner erlaubte sich so zu zeigen wie er ist? Einige merken noch dieses Kribbeln im Bauch, diese Wärme im Herzen, die schier die ganze Welt umarmen könnte. Glück und Zufriedenheit ist kein Wort mehr, sondern ein Zustand geworden. Freude und Glanz steht in den Augen und so manche Falte ist unsichtbar geworden. Ja, was ist es nur? Sollte es Liebe sein?

Was ist daraus geworden? Haben wir uns dieses Gefühl erhalten können oder ist es in der so genannten Realität mehr und mehr verblasst? Einige glauben Liebe macht blind. Ich glaube die bedingungslose Liebe öffnet die Herzen. Der Partner darf auf einmal ganz anders ausschauen als gedacht, er darf sich auch Dinge erlauben, die mich stören müssten. Ja, ich muss wohl verliebt sein, denn vieles scheint mir plötzlich nicht mehr so wichtig zu sein.

Im Laufe der Zeit sammle ich Informationen von diesem unbekannten Menschen, dem Objekt meiner Begierde und vieles davon gefällt mir nicht. Aber auch mein Partner sammelt Informationen von mir und es fällt mir immer schwerer, ihm meine Schatten zu verbergen und so zu sein wie er mich gerne hätte. Ich glaube die Bedingungslosigkeit, die vorhanden war, gerät ins Wanken und Erwartungen nehmen ihren Platz ein. Ich versuche sie zu erfüllen und tue fast alles was mein Partner verlangt. Ehrlich, ich habe es nicht geschafft. Ein Schmunzeln bleibt mir und es erfreut mich, dass auch er es nicht geschafft hat meinen Erwartungen und Ansprüchen zu genügen.

Wir haben uns beide, wie Millionen von Paaren, bemüht nach den Regeln der Gesellschaft Partnerschaft zu leben. Unsere Bedürfnisse waren einfach zu unterschiedlich. Viele Sichtweisen nicht nachvollziehbar. Ja, und Sex? Der ist ebenfalls auf der Strecke geblieben. Doch es scheint normal zu sein und mittlerweile wissenschaftlich beweisbar, dass ein Gefühl der Liebe nur bis zu drei Jahren anhalten kann.

Dafür macht sich nun ein Gefühl der Unzufriedenheit in mir breit. Ich kenne es noch. Ob es länger anhält als drei Jahre? Wünsche nach dem verloren gegangenen Gefühl werden wach. Hat mich die Realität eingeholt, oder war alles nur ein Traum?

Die Arbeit macht mir weniger Freude und ich denke schon kaum noch daran was mich mit meinem Partner verbunden hat. Dafür denke ich oftmals daran wie ich ihm eins auswischen kann, um meinen Schmerz zu stillen.

Machtkämpfe finden immer öfter statt und es macht schon lange keinen Spaß mehr zu gewinnen. Das Terrain ist abgesteckt und es muss gehalten werden. Zugeständnisse sind ein Rückschritt und schließlich muss der Partner verändern, wenn er etwas retten möchte.

Doch ich sage ganz ehrlich: “Der Partner denkt genau so“. Vielleicht findet einer der Kampfhähne den Mut bei sich zu verändern. Es kann sogar Spaß machen, denn ich tue es für mich und nicht für den Partner. Und es funktioniert, langsam aber unaufhörlich. Ich muss nicht mehr Recht haben und mich dennoch als Verlierer fühlen. Die Blicke bewegen sich wieder mehr aufeinander zu. Plötzlich ist da wieder dieses Funkeln in den Augen, das verloren gegangen war. Ich merke auch, dass ich immer mehr nette Worte finde und sie aussprechen möchte. Komisch, es macht Spaß sich am Partner zu erfreuen und warm ist es mir auch geworden. Es ist ein wenig wie damals, als alles begann. Ich glaube, die Wissenschaft hat sich geirrt.

Sollte etwa die bedingungslose Liebe, die zwei Menschen zusammenführt hat, die machtvollste Kraft sein, die von Außen nicht manipuliert werden kann? Sie trachtet nicht danach dem Anderen zu schaden oder persönliche Vorteile zu erzielen und sie ist nicht darauf ausgerichtet sich im Bett zu profilieren. Es ist ihr auch nicht möglich, denn sie kann bedingungslos annehmen und lieben. Eine Qualität, die der Persönlichkeit fehlt.

Vielleicht ist diese Qualität aus dem Wunsch heraus unangreifbar zu werden, ausgetauscht worden und heißt nun Perfektion. Einige fangen an zu erkennen, dass Perfektion uns in der Trennung hält und niemals Bestandteil einer ausgewogenen Beziehung sein kann. Wie ich schon erwähnte, baute die Angst vor Verletzung als Schutz einen Kontrollapparat auf, der als Ersatz die Perfektion braucht. Perfektion, so dachten wir, macht uns weniger angreifbar. Ja, wir dachten, doch wie schaut die Realität aus?

Die Liebe die zwei Menschen zusammenführt, weiß noch nicht auf welches Abenteuer sie sich einlässt. Sie braucht es auch nicht zu wissen, denn sie weiß, dass sie stark genug ist alle Wellen des Lebens unbeschadet zu überstehen.

Doch gibt es noch einen Steuermann, unser irdisches Bewusstsein. Dieser Kamerad entstammt ebenfalls der Quelle und ist uns als Berater zur Seite gestellt. Er hat eine Bibliothek aller Erfahrungen, die wir gesammelt haben und das Wissen, welches wir uns als Mensch aneignen konnten, unter sich. Hier sind die eigenen Überzeugungen und Weltanschauungen abgespeichert. Auch die, die wir mit der Auswahl eines Partners, über den Aufbau einer Partnerschaft, bis hin zur Gründung einer Familie verbinden und natürlich auch alles, was der Einzelne mit Sexualität verknüpft hat, ist hier zu finden.

Somit wird eine Partnerschaft, die für länger eingegangen wird, viele Federn gleich Überzeugungen und Sichtweisen verlieren dürfen, um an Glück zu gewinnen. Partnerschaft ist etwas, was wir uns sozusagen wieder erarbeiten, um sie dann schätzen und lieben zu können.

Selbstverständlich hat dieses auch Auswirkungen auf das Sexualleben. Der Leistungsdruck schwindet, weil es Nichts zu verlieren gibt, weil wir uns Nichts beweisen müssen und der aufgestaute Frust, wie die unbewussten Ängste, nicht in einer schnellen mechanischen Nummer oberflächlich befriedigt werden müssen. Der Einzelne findet zu sich zurück, zu seiner Vollkommenheit und zur Kraft der Liebe. Er findet zu seinem individuellen Ausdruck zurück. Es braucht dann keine Schablonen mehr.

Körperlichkeit findet viel umfangreicher und intensiver statt. Die Nähe des Partners zu spüren, seine Hand zu halten und es im Energiefeld eines doch noch fremden Menschen immer länger „aushalten“ zu können, sind die ersten Veränderungen.

Ein vorsichtiges Ausprobieren und Erfahren findet statt. Sich seiner Grenzen bewusst zu werden und diese deutlich zu machen wird geübt. Mit wachsendem Vertrauen setzt Ehrlichkeit zu sich selbst und dem Partner gegenüber ein. Die Grenzen beginnen sich dabei zu weiten, zu öffnen. Das Ganzsein und verschmelzen mit dem geliebten Menschen erreicht dadurch zunehmend an Tiefe.

Die Kommunikation zwischen den Gedanken, dem Fühlen der feinstofflichen Körper und dem freien Austausch der Energien untereinander bleibt auch beim Akt der Liebe erhalten. Hierbei entsteht ein Gefühl des Einssein mit dem Partner. Dies führt zur einer tiefen Entspannung und „Sättigung“.

Ja, die Körperschwingung verändert sich und es ist möglich durch den freien Energieaustausch der Schöpfungszentren ein neues Lustempfinden zu erfahren, welches nicht mehr als Geilheit bezeichnet werden kann. Es mag sein, dass die Herzen im gleichen Rhythmus schlagen und die Atmung gleichmäßig hin und her fließt. Ein Jeder merkt, wie weit er bereit ist sich zu öffnen und es zu genießen. Lust pur. Nichts ist unmöglich darin, auch ohne körperliche Vereinigung. Einblicke in verborgene Welten können geschehen.

Lust ist die Lebensfreude und kann überall im Alltag, nicht nur beim Kinobesuch oder beim Essen gehen, empfunden werden.

So wie wir uns entscheiden können eine Zigarette, ein Glas Wein, eine Praline oder den körperlichen Akt der Liebe aus der Lust heraus umzusetzen, so haben wir auch die Wahl uns dieses zu versagen aus der Verurteilung. Dies führt zu einem unbewussten Mangel, der irgendwann aufbricht, um in ein Gleichgewicht zu gelangen.

Zu sehen ist dies bei allen extremen Lebensformen, wie auch bei Nahrungsmittelfanatikern und in vielen Bereichen der Esoterik. Hab ich was vergessen? Ja, natürlich auch in der Sexualität. Mangel ist die Grundlage für Streitigkeiten, Belehrungen und Beschuldigungen.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass Mangel ein anderes Energiefeld in sich trägt als die Annahme und Achtung der Andersartigkeit, wie auch die Wertschätzung der Schöpfung allen Ausdrucksformen gegenüber.

Vielleicht schaut der Einzelne auf einmal mehr auf das Erreichte als auf das, was alles noch nicht erreicht wurde und scheinbar fehlt. Ein Quantensprung.

Warum sollte uns die Quelle etwas so Hilfreiches wie die körperliche Liebe schenken, um sie uns dann zu verbieten? Ich sehe keinen einzigen Grund dafür. Würden wir unseren Kindern etwas schenken und sie bestrafen, wenn sie es nutzen?

Hätte uns die Abstinenz der Körperlichkeit Geistiges Wachstum bis zur Erleuchtung beschert, wären wir sicherlich nicht wieder hierher gekommen.

Doch wählt ein jeder Mensch aus, welche Hilfen er in seinem Leben nutzen möchte.

Jedoch hat Lebenslust nichts mit Sexualität zu tun. Lebenslust ist die Freude am Leben und dadurch die Kreativität, das Ausprobieren und Erfahren des selbigen. Es ist ebenso mit einem Partner möglich als auch ohne einen Partner. Es ist mit Einbezug der Sexualität möglich und auch ohne.

Das Wort Sexualität zeigt Umsetzungsformen der körperlichen Liebe auf, die unter Einhalt von gesellschaftlichen Regeln umgesetzt werden dürfen. Hier sind die mechanischen und physischen Möglichkeiten des sexuellen Verkehrens aufgezeigt. Ein sehr begrenzter Fundus, der auch ohne das Gefühl der Liebe und Zuneigung füreinander praktiziert werden kann. Der Gedanke an Sex ist nüchtern ihm fehlt das Gefühl der Hingabe und der Liebe.

Erotik ist ein Gefühl. Wir bezeichnen es als knisternd, spannend und anziehend. Erotik spiegelt unsere Bedürfnisse und Vorlieben wieder. Sie braucht Übereinstimmungen wie auch Sympathie und kann in eine sexuelle Aktivität übergehen. Der Gedanke an Erotik setzt Prozesse im Emotional- wie auch im Mentalkörper in Gang. Ein Gefühl der Liebe ist nicht nötig. Es reichen Entsprechungen aus.

Erst die Liebe verbindet beides in einem gemeinsamen Gefühl. Die Prioritäten verlieren sich und münden in einem Miteinander. Das Gefühl der Liebe ist nicht auf Sex oder Erotik ausgerichtet, nimmt aber beides in sich auf und erlaubt beidem einen Ausdruck. Der Gedanke an Liebe ist frei und bedingungslos. Er ist an nichts gebunden. So ist es möglich Menschen, Tiere, Pflanzen und auch Materie als Ausdruck der Allumfassenden Schöpfung zu lieben.

So haben meines Erachtens die Errungenschaften der sexuellen Befreiung dazu geführt, Sexualität zu standardisieren. Dies führte zu Leistungsdruck, Konkurrenzgedanken und dem Glauben etwas zu verpassen. Die körperliche Liebe möchte erfahren werden in dem Tempo und der Individualität so wie es jedem Einzelnen möglich ist. Die Intimität die zwei Menschen miteinander verbindet ist für mich das persönlichste was es auszutauschen gibt. Es kann ein Hauch von Heiligkeit sein, der eine Intimsphäre schafft, in der es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und die so, nur mit dem Partner meiner Wahl möglich ist. Vielleicht waren die uns vorausgegangenen Generationen gar nicht so prüde und verschlossen wie wir es oftmals glauben. Vielleicht haben sie sich diese Kostbarkeit bewahrt.

Autor: Fritz Henke 03.02.05