Streik das Mittel der Wahl ?
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unter anderem:
Möglichkeiten der Lohnverhandlung
Der staatliche Einfluss
Warum müssen wir eigentlich arbeiten?
Geld wozu?
Autor: Fritz Henke August 2008
Zurzeit häufen sich sogenannte Arbeitskämpfe, deren Ziel es ist, ein angemessenes Einkommen zu erhalten. Doch wie wir alle wissen gibt es bei einem Kampf wenigstens einen Gewinner und wenigstens einen Verlierer. Wir sollten darüber nachdenken, ob das Mittel der Wahl, Streik, noch angemessen ist, wenn es um die Lohnverhandlung geht.
In meiner Zeit als Angestellter gehörte ich keiner Gewerkschaft an. Obwohl mir dieses angeboten wurde, war es für mich uninteressant, monatliche Beiträge dafür zu entrichten, um jährlich ein paar Prozent Lohn mehr zu erhalten. Vielmehr nutzte ich die persönliche Lohnverhandlung mit meinem Arbeitgeber. Wer sich in einem Betreib wohlfühlt arbeitet gerne. Es geht ihm nicht in erster Linie darum, sehr viel Geld zu verdienen.
Auch war ich bereit, Einsatz zu leisten und mit wechselnden Arbeitssituationen umzugehen. Im Laufe der Zeit spürte ich wieder so etwas wie Selbstsicherheit. Daraus entwickelte sich ein Gefühl von Selbstwert. Dieses Gefühl ist in jedem Menschen vorhanden. Meistens möchte es noch erweckt werden, denn leider Gottes schauen die meisten Menschen immer noch auf das, was sie nicht können, sie fühlen sich wertlos. Der gesunde Selbstwert eines Menschen wird bei Lohnverhandlungen die Türen öffnen. So war es zu meiner Zeit durchaus möglich, dass verschiedene Gesellen oder Meister unterschiedlich verdienten und darüber Stillschweigen bewahrt wurde. Jeder Mensch sollte einen leistungsbezogenen Lohn erhalten, der es ihm ermöglicht, am Leben teilzunehmen und Rücklagen zu bilden. Doch wie viel das für den Einzelnen ist, kann nur jeder Selbst herausfinden.
Ob Gewerkschaften noch zeitgemäß sind, muss jeder für sich entscheiden. Die jetzigen Arbeitskämpfe zeigen leider einen erpresserischen Ansatz. Firmen und Konzerne lahmzulegen kann für mich keine Grundlage sein, um einen höheren Lohn für alle durchzusetzen. Die Kosten, die dabei entstehen, müssen erwirtschaftet werden. Lohnkosten wie auch Einmalzahlungen werden dazu führen, dass Dienstleistungen oder Produkte teurer werden. So führt der Preisanstieg verschiedener Produkte nicht zu einem wirklichen Gewinn und der durch Streik erkämpfte Lohn führte in der Vergangenheit immer auch zu einem Abbau an Arbeitsplätzen. Bei einer freien Lohnpolitik bleibt der Firma, dem Unternehmen, ein Lohngefüge erhalten.
In meiner späteren Tätigkeit als Abteilungsleiter wurden mir Einblicke in betriebliche Abläufe zuteil, die mir ein Verständnis ermöglichten, wie sich dieses Gefüge aufbaut. Das Gold der Firma sind die Ideen, die Kreativität und Leistung seiner Mitarbeiter. Ohne diese wäre der Chef oder Manager nicht in der Lage, seinen Job zu machen. Dieses Gold, also zufriedene Mitarbeiter, kann ich nur erhalten, wenn ich die Produktivität, die von ihnen erbracht wird, ihnen in einem großen Umfang wieder zufließen lasse. So habe ich Chefs kennen gelernt, die weniger verdienten als ihre Angestellten oder Arbeiter und stolz waren, einen eigenen Betrieb zu führen. Ich glaube sie waren auch stolz auf ihre Mitarbeiter, denn sie erwähnten gerne, wie viel Arbeitsplätze sie geschaffen haben und redeten weniger über ihre Umsätze oder gar über ihren Gewinn. Es schien eine Gleichwertigkeit zwischen der arbeitenden Masse und der betrieblichen Führung zu bestehen, die sich auch in Wertschätzung ausdrückte. Leider ist dieses Bewusstsein verlorengegangen.
Die heutige Zeit ist abstrakt geworden. So sehen die modernen angestellten Chefs, die eigentlich keine Chefs mehr sind, nur den Profit, die Zahlen, aber immer weniger den Menschen, der für sie arbeitet und dafür sorgt, dass sie ihre Überheblichkeit vergoldet bekommen. Natürlich hat diese, ihre Überheblichkeit, dazu beigetragen, dass die Pyramide kopflastig wird und so mancher Betrieb nicht mehr am Markt etabliert ist. Großkonzerne und Banken wackeln wegen der Überheblichkeit im Management. Überheblichkeit ist eine ansteckende Seuche geworden, denn sie befällt die unteren Lohngruppen, die nun streiken und so das Schiff zum sinken bringen können, was nur mit Profit beladen wurde. Eine Zeit des Fressens und Gefressenwerden ist entstanden und wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen.
Eine andere Form der Überheblichkeit zeigt sich zwischen unserem Staat und dem daraus geschaffenen Sozialsystem. Unser Staat hat sich scheinbar zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelt. Er übt Recht aus nach selbstgeschaffenen Paragrafen. Er greift in Persönlichkeitsrechte seiner Bürger ein, unter dem Vorwand, diese zu schützen. So dient unser Staat schon lange nicht mehr dem Wohle des Volkes, sondern in erster Linie seinem Selbsterhalt. Die Meinung seiner Bürger interessiert ihn alle 4 oder 5 Jahre, nämlich dann wenn sie zur Wahl gehen.
Unserem Staat geht es sehr schlecht, denn er ist permanent pleite. Doch er versteht es, Mitleid bei seinen Bürgern zu wecken, die dann gerne auf eine Rentenerhöhung verzichten und mit Harz 4 zufrieden sind.
Dabei schafft unser Staat über 60 verschiedene Steuern und muss dabei noch immer den Gürtel enger schnallen. Was sind wir nur für ein Volk, welches seine Parlamentarier und Abgeordnete so ausnutzt und ihnen die Erhöhung ihrer Diäten nicht gönnt?
Der Staat hat für seine Bürger Sozialsysteme geschaffen. Es sind die Krankenversicherung, die Pflegeversicherung, die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Doch sind es keine wirklichen Versicherungen, weil es keine festgeschriebene Leistung gibt.
Nehmen wir hier nur die Krankenversicherung. Ihre Ausgaben sind in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen. Um einzusparen wurden die Beiträge erhöht, die Medikamente, die von der Krankenversicherung gezahlt werden, in Listen verfasst und der Besuch beim Hausarzt wird darüber hinaus pro Quartal dem Patienten mit einer Gebühr berechnet. Unser Staat nimmt Einfluss auf unser Gesundheitssystem, welches von ihm geschaffen wurde. Das Gesundheitssystem nimmt Einfluss auf die Pharmaindustrie, um die Preise zu senken. Und es nimmt Einfluss auf die öffentlichen und privaten Krankenhäuser, in dem es hier nach Zeitvorgaben abrechnet und die Belegungsdauer kürzt. Das Gesundheitssystem greift auch in die freie Marktwirtschaft ein, in dem es den frei praktizierenden Ärzten vorschreibt, was über die Krankenkassen bezahlt wird und wie viele Patienten versorgt werden dürfen (Gebietsschutz). So stehen die einstigen Halbgötter in Weiß mit dem Rücken zur Wand und einige fürchten um ihren Lebensunterhalt. Vorsichtig versuchen sie, hinter vorgehaltener Hand über Streik zu sprechen.
Ein Staat, der sich als Übermacht darstellt, täte gut daran, diese durch Volksnähe zu seinen Bürgern abzubauen. Transparenz und ein wenig mehr Ehrlichkeit wäre angebracht. Es geht dann nicht mehr darum, den Bürger mit Milliardenbeträgen zu erschlagen. Um ein Verhältnis zu erhalten braucht es auch die Einnahmenseite. Transparenz sollte auch in unser Steuersystem einziehen. Wir brauchen dringend ein einfaches und gerechtes Steuersystem. Im Laufe der Generationen wurde darin so viel verbessert, dass es derartig kompliziert und unübersichtlich geworden ist, dass heute oftmals Gerichte beauftragt werden, um ein klärendes Urteil zu erhalten. Gleiches gilt für unsere Sozialsysteme. Leider ist es bisher nicht gelungen, dieses Gesetzeswerk in eine Kapitaldeckung zu führen, welches unsere Kinder entlastet.
Warum müssen wir eigentlich arbeiten?
Das Bruttosozialprodukt bei uns wird schon lange nicht mehr von Menschen, sondern von Maschinen erwirtschaftet. Dies führte zu einem Ungleichgewicht zwischen hoher Produktivität und wenig Kaufkraft. Was könnte geändert werden? Gehen wir einmal von einem Grundgehalt aus, welches nicht Harz 4, Wohngeld, Sozialhilfe, Rente oder wie auch immer heißt, sondern ein freies Grundeinkommen ist, welches jedem Menschen zur Verfügung gestellt wird. Die Menschen müssten dann nicht mehr arbeiten, sie könnten es, weil es ihnen Freude bereitet. Heute leben gerade mal gute 40 % der in Deutschland lebenden Bürger von ihrem Lohn. Der Rest wird durch besagte Töpfe finanziert aber auch gesellschaftlich abgestempelt. Wer Sozialtöpfe nutzt, darf ja kaum dazu verdienen. So haben wir eine Zweiklassengesellschaft in unserer Republik geschaffen. Die Folgen des Selbstwertverlustes sind unter anderem häufiger Kriminalität in den sozialen Unterschichten, Drogenmissbrauch wie auch Perspektivlosigkeit der nachwachsenden Generation.
Gehen wir einmal davon aus, ein Grundeinkommen für alle Bürger der BRD würde ausgezahlt und die Sozialtöpfe wie auch die Sozialsysteme (Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung) sind geschlossen. Ein Arbeitnehmer ist nicht mehr gesetzlich pflichtversichert sondern kann selbst entscheiden, wie er sich absichern möchte. Die Bereitschaft, selbstständig tätig zu werden, steigt an, weil das Risiko dank Grundversorgung sehr gering ist. Es wäre aber auch möglich, als selbstständiger Mitarbeiter in einem Betreib tätig zu sein. So gibt es Alternativen, die ein besseres Miteinander und Untereinander schaffen, wovon alle profitieren können.
Geld wozu?
Das wäre der nächste Schritt. Wir sollten uns entscheiden, wie viel Macht wir unserem Zahlungsmittel Geld geben möchten und ob wir wirklich Geld brauchen. Provokant? Nein, heute liegt der Sinn des Lebens für viele von uns darin, zu arbeiten um möglichst viel Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite haben viele von uns Angst, viel Geld zu verlieren und halten dieses aus Angst fest. Würde der Kreislauf des Geldes funktionieren, gäbe es keine Probleme. Geld wäre ein Tauschmittel, welches einen Wert ausgleicht. Das Geld wie auch das Produkt oder die Dienstleistung erhält einen mentalen Wert, der von Menschen bestimmt wird. Könnten wir darauf verzichten, bräuchte es kein Geld.
Heute schauen die Menschen darauf, womit sie Geld verdienen können.
Ohne Geld könnten die Menschen das tun, was ihnen Freude bereitet, weil sie damit kein Geld verdienen müssen.
Zurzeit wird über den Bedarf hinaus produziert und unter Preis abverkauft.
Ohne Geld würde marktorientiert und ökologisch produziert.
Heute wird ein Arbeitsloser geächtet und oftmals als faul und nicht arbeitswillig bezeichnet.
Ohne Geld wäre es jedem möglich, nichts zu tun, weil er niemandem schadet und auch kein Sozialsystem in Anspruch nimmt. Der Futterneid der arbeitenden Klasse hätte dann ein für allemal ein Ende.
Heute wird ein scheinbar finanzstarker Kunde einem finanziell schlechter dastehenden Kunden vorgezogen.
Ohne Geld könnte so etwas nicht funktionieren. Der Mensch zählt wieder und Zeit spielt auf einmal keine Rolle mehr, weil es kein Geldsystem gibt, welches nach Zeit abgerechnet wird. Zeit ist dann nicht mehr ein wertvolles Gut, welches wir uns nicht leisten können, sondern ein göttliches Geschenk. Ich glaube, wir würden ganz anders miteinander leben und uns mehr wertschätzen, als dies mit Geld möglich ist. Und noch etwas, es gäbe keine Konkurrenz untereinander und keine festgelegten Arbeitszeiten, weil nicht mehr Zeit mit Geld verknüpft ist. In den Kranken- und Pflegeberufen wäre dies ein Segen.
Auch weiterhin gäbe es Strom, Gas und Öl. Doch es würde anders und mit Achtung genutzt. Es gäbe auch wunderbare schöne wie auch zweckmäßige Kleidung. Sie dient aber nicht mehr dazu, den Selbstwert einiger Persönlichkeiten anzuheben, sondern kann von allen genutzt werden. Auch Autos wird es geben und sie drücken ebenfalls, wie auch unsere Kleidung, ihre Individualität und den persönlichen Geschmack aus. Nur braucht es dazu kein Geld mehr. Die Produkte, die produziert werden, würden aus der Freude heraus produziert und nicht mehr wegen des Profites. Produkte, die aus der Freude heraus produziert werden, erhalten eine andere Energie. Das gilt auch für Unternehmen. Da wo die betriebliche Pyramide ein festes Fundament trägt, das sind zufriedene Mitarbeiter, ist das Unternehmen sehr erfolgreich und kann Krisen meistern.
Der Mensch will arbeiten und sich seinen individuellen Qualitäten entsprechend kreativ hier auf der Erde ausdrücken. Das beflügelt und erweitert seinen eigenen Horizont mit einem atemberaubenden Gefühl der Freude. Das Leben ist Freude, nur haben wir es missverstanden, weil wir geglaubt haben, etwas abarbeiten zu müssen. Geblieben ist davon arbeiten, um besser zu sein.
Doch damit wir nicht auf die Ebene des Tauschens zurückfallen, sind Grundvoraussetzungen nötig. Als ich 1994 in die Selbstständigkeit ging, erkannte ich sehr schnell, dass die Welt nicht auf mich gewartet hat. Niemand war da, der mich motivierte und sagte, was es zu tun gibt. Schnell merkte ich, dass mein Wert noch mit Produktivität, also Leistung, verbunden war. Leistung war im Arbeitsverhältnis mit Verdienst verknüpft und es schien, als ob der Verdienst darüber entscheidet, ob ein Mensch erfolgreich ist oder nicht.
Auch erntete ich mit meiner Entscheidung in die Selbstständigkeit zu gehen wenig Zustimmung und kaum Verständnis. Ein Mensch, der arbeitslos wird, durchläuft oftmals ähnliche Prozesse. Der Selbstwert ist dahin und oftmals distanziert sich der Freundeskreis. Bei manchem Rentner sieht es ähnlich aus. Er sieht sich auf dem Abstellgleis und oftmals gibt es familiäre Streitigkeiten.
So ist die Grundvoraussetzung, damit wir nicht auf der Ebene des Tauschens weitermachen, die Entkoppelung von Arbeitszeit und Lohn. Beim Tauschen wird ebenso, wie beim Geld, ein mentaler Wert festgesetzt. So gibt es auch hier sehr schnell Menschen, die mehr oder weniger besitzen. Die Strukturen von Konkurrenz und Neid treten wieder in den Vordergrund und das alte Gefüge wird weiterhin genährt und aufrecht erhalten. In dem Moment, wo es keinen Mangel mehr gibt, weil frei gegeben und genommen wird, kann das Rad durchbrochen werden. Die Menschen sind dann gleichwertig, doch bleiben sie weiterhin unterschiedlich und bringen sich in ihrem unterschiedlichen Bewusstsein ein. So wird jeder Mensch seinen Platz einnehmen, der ihm entspricht. Eine Ausbildung wird nicht mehr nach den Verdienstmöglichkeiten ausgerichtet, was in der Vergangenheit zu einem Überangebot in manchen Berufsgruppen führte und somit zu niedrigen Einkommen. Frieden würde entstehen, weil es sich nicht mehr lohnt, Kriege zu führen. Zu guter Letzt könnten paradiesische Zustände dadurch entstehen, wenn wir nur darauf verzichten, ein Geld- oder Tauschsystem aufrecht zu erhalten. Wäre das nicht eine wunderbare Vision?
Autor: Fritz Henke August 2008