Der Zeit Geist
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PDF: Welt der Esoterik Nr.1/08


Autor: Fritz Henke
Email: kontakt@lichtpyramide.de

Zeit ist ein Geschenk an uns und währt ewiglich. Doch ist Zeit für uns auch eine reale Manifestation geworden, die uns auf dieser Ebene fest im Griff hat.

Was hat es auf sich mit dem Mythos Zeit, einer Energie, die unser Leben bestimmt und dennoch nicht wirklich existiert? Sie ist eine Realität geworden, die im wahrsten Sinn den Takt angibt, den Zeittakt. Dieser entspricht nicht mehr dem Takt des Lebens und schon gar nicht unserem eigenen Takt. So wurde Zeit zu einer Ware, zu einer Kostbarkeit, die jeder braucht und nur wenige besitzen. Einige von uns fingen an, Zeit einzusparen und es folgten immer mehr. Dies führte langsam dazu, dass sich der Zeittakt beschleunigte und immer mehr Menschen über Zeitmangel klagten. Nun ist der Zeittakt ja nur in unseren Gedanken existent. Jeder von uns entscheidet sich, ob er sich von ihm beeinflussen lässt oder nicht.

Stark entwickelt hat sich im Laufe der Zeit ein Organ, worauf viele Menschen sehr stolz sind. Sie wissen, welches Organ ich meine? Ja, ich meine unser Gehirn, was viel damit zu tun hat, alles zu erklären, abzuspeichern, zu analysieren und auszurechnen. Dieses walnussähnliche, graue Gebilde ermöglicht es dem Menschen in der Gegenwart, in der Vergangenheit und in die Zukunft zu denken, doch das Leben geschieht im Hier und Jetzt. Mag sein, dass Zeit nur eine wertvolle Illusion ist, die im Laufe der Zeit mit Geld aufgewogen wurde. Zeit gleich Geld lautet die Formel, die unser Leben langsam hektischer werden ließ.

Zeitmangel?
So passiert es, dass viele über Zeitmangel klagen und ein Jahr beginnt, das nächste zu jagen. Ist das nicht paradox? Zeit, die es nicht wirklich gibt, jagd Zeit mit dem Ergebnis, erschöpft und ausgebrannt zu sein? Der liebe Gott, unser guter Freund, Vater oder Schöpfer schenkt uns jeden Tag 24 Stunden aufs Neue und wir entscheiden, was wir daraus machen. Wir entscheiden, ob es ein schöner Tag wird oder einer von der Sorte so wie immer, nur keine Überraschungen, die uns überfordern könnten. Wir entscheiden also, ob wir den Tag gestalten oder der Tag uns gestaltet und sich das Leben scheinbar gegen uns verschworen hat. Doch welchen Sinn hätte das? Dem Tag ist es egal, was wir mit ihm anfangen. Er schenkt sich uns immer wieder aufs Neue.

Vom Geist der Zeit
In den Momenten, wo wir entspannen können, wirkt der Zeitgeist. Er lässt uns ein wenig mehr zu uns zurückkehren und so mancher Moment endet in einer kleinen Ewigkeit. Wie kann es sein, dass die Zeit oftmals an uns vorbeizieht und manchmal nicht enden mag? Kennen Sie es auch, die Vorfreude auf den Urlaub, das Planen, Buchen und endlich ist es so weit. Alles ist anders, wie in einer fremden Welt und wird von uns ganz bewusst aufgenommen. Müdigkeit ist dann ein Fremdwort geworden. So ein Tag mag nicht enden wollen und die Eindrücke, die wir sammeln, können unseren Verstand an Grenzen bringen, doch unsere Gefühle sind voll aktiv und wach. Freude, Glück und Zufriedenheit sind die Begleiter eines wundervollen Urlaubstages. Vergessen ist der Alltagsstress, der uns noch gestern fest im Griff hatte.

Mag sein, dass unser Lebensfilm wie ein digitaler Camcorder funktioniert. Es wird nur das im Bild verändert, was neu hinzu kommt, was sich verändert. Der Himmel bleibt so lange blau, bis Berge in das Bild eintreten. Der Strand bleibt so lange goldgelb, bis er in einer Bucht endet. All diese Eindrücke sammeln wir im Urlaub und so mag es sein, dass die ersten drei Tage die schönsten, die intensivsten und längsten vom ganzen Urlaub sind. Danach ist vieles schon wieder zur Gewohnheit geworden. Unsere Eindrücke nehmen ab und ob unser Urlaub nun zwei oder drei Wochen dauert, merken einige von uns schon nicht mehr so recht.

Vom Erschaffen der Zeit
Zeit ist eine Illusion, die wir geschaffen haben, um uns besser zurechtzufinden. So bildete anfangs die Spanne zwischen dem Sonnenaufgang und dem Sonnenuntergang die Grundlage eines Tages. Im Laufe der Zeit teilten Stunden, die wiederum in Minuten und Sekunden eingeteilt wurden, unseren Tag ein. So wurde sie manifest in unserer irdischen Zeitrechnung und sie hat sich über Jahrtausende bewährt. Ist es nicht sonderbar, dass unsere jetzige Zeitrechnung, die eigentlich recht jung ist, sogar genutzt wird, um Jahrmillionen in die Vergangenheit zu reisen und Luftschlösser in der Zukunft zu errichten?

Zeit und Manifestation
Betrachten wir einmal, dass viele von uns sich in ihren Gedanken mit den Erfahrungen der Vergangenheit beschäftigen und diese oftmals als Hochrechnung in die Zukunft projizieren, so zeigt sich im Moment also in der Gegenwart der Weg dorthin. Zukunft ist nur eine Momentaufnahme, die nicht Realität werden muss. So geschieht es, dass viele Prophezeiungen nicht eingetreten sind. Leider finden sich immer wieder Menschen, die schnell neue Termine festsetzen, wann endlich die Welt untergeht. Warum halten viele von uns an solchem Endzeitdenken fest? Ist es nicht schön zu sehen, dass es keine feste und vorbestimmte Zukunft gibt, und wir Menschen die freie Wahl nutzen können, Zukunft zu gestalten? Die Erfahrungen der Vergangenheit dürfen dann zur Ruhe kommen und mit einem inneren Frieden und auch Zuversicht wird der Einzelne mehr von seinem Potenzial im Moment leben und dadurch die Zukunft nach seinen Wünschen mitgestalten.

Zeit und Leistung
Zeitspannen sind für uns Menschen sehr wichtig. So ist ein Sport daraus geworden, schneller zu sein. Doping - also Drogen - nahmen Einzug in das Wettkampfgeschehen, um die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu weiten. Der Wettkampf hat sich darüber hinaus schon lange und schleichend durch alle Bereiche des menschlichen Miteinanders gezogen. Leistung wird gefordert, verlangt und ein jeder wird darin einbezogen. Die Kehrseite der Medaille zeigt sich inzwischen in Krankheitsbildern, die für uns schon zur Normalität gehören. Herz-, Kreislauferkrankungen, Schlaganfall und inzwischen das Burn out Syndrom zeigen die Überlastung eines menschlichen Körpers an, der glaubte, wie eine Maschine funktionieren zu müssen. Dieser Wettbewerb hat sich langsam grenzübergreifend ausgeweitet.

Wettbewerb und Minderwertigkeit
Hat das moderne Wort Wettbewerb nicht auch einen Beigeschmack von minderwertig? Ist hier nicht die Zeiteinheit zu einem Instrument der Kontrolle geworden, welche mit Geld aufgewogen wird? Fast unbemerkt vergleichen wir untereinander, wer der Bessere ist. Dies führt leider immer dazu, dass man selber als der Schlechtere dasteht. Schlechter ist aber auch minderwertig und somit nicht gesellschaftsfähig. So finden sich zwischen minderwertigen Maschinen und Produkten leider auch schon mal minderwertige Menschen. Menschen die nicht mehr genug Leistung bringen, die sich nicht in das Zeitgefüge eingliedern lassen, was in der Firma vorgegeben wird.

Minderwertigkeit ist ein Gefühl und verbunden mit einem rationalen Gedanken. Dem Gedanken, der hat Recht, ich bin zu langsam. Doch es kommt noch schlimmer. Der Gedanke, die Einsicht, zu langsam zu sein, führte unbemerkt zu dem tiefen Gefühl des Glaubens. Der Glaube: „Ich bin zu langsam“ zieht sich fortan durch sein Leben. Zu langsam, aus dem Blickwinkel der Zeitrechnung betrachtet, sagt niemals etwas über einen Menschen, noch über dessen Wert aus. Es ist lediglich eine Momentaufnahme, ein kleiner Ausschnitt aus unserer unendlichen Zeitrechnung. Und jeder, der Unendlichkeit nicht berechnen kann, und ich glaube, dass es niemandem von uns möglich sein wird, unendlich zu verstehen oder gar zu begreifen, sollte sich über andere erheben.

Die Minderwertigkeit lässt einen Menschen aber auch unbewusst eine Opferhaltung einnehmen. Nun kann ich mich aber nur als Opfer fühlen, wenn es einen Täter gibt. Ein Täter agiert aber ebenso aus der Angst heraus, die er aktiv in die Tat oder sein Tun einbringt. Auch der Täter fühlt sich als Opfer. So ist lediglich der Ausdruck zwischen dem Opfer und dem Täter ein anderer. Die Struktur ist identisch, weil beide aus der Angst handeln. Das Spiel basiert auf dem Schuldprinzip. So mag es sein, dass ein Arbeiter, der seinen Arbeitplatz verloren hat, den Chef dafür verantwortlich macht und ihn als den Schuldigen betrachtet. Wird nun ein Chef, der seinen Betrieb nicht mehr aufrechterhalten kann, zum Täter, der Steuern hinterzieht, so ist er ebenso ein Opfer, das gegen einen imaginären Feind kämpft. Das kann die Bank, der Staat oder die Konjunkturlage sein. Die Suche nach Anerkennung kann Gewalt unter Jugendlichen freisetzen, die zeigen wollen, dass sie Mut haben und dazugehören möchten. Bin ich bereit, aus der Opferhaltung herauszugehen, so löst sich das Schuldprinzip, weil ich das Zusammenspiel erkenne. Die entstandene Freiheit und Kraft wird dann mobilisiert, um die Gegebenheiten zu meistern und nicht mehr dazu, einen Schuldigen zu suchen. Dies wäre ein Quantensprung in der Evolution des Menschen, der tausende von Jahren an einem religiösen Glaubensbild festgehalten hat, welches für die Menschen übermittelt wurde, die vor mehr als 2000 Jahren lebten. Leben wir noch in deren Bewusstsein oder sind wir gereift und haben vieles erkannt, wie auch durch unsere Einsicht verändert?

Im Hier und Jetzt zu leben
heißt, sein ganzes Potenzial auf den Moment auszurichten, im Moment zu fokussieren auf das, was im Moment ansteht und erledigt werden möchte. Dadurch sind und bleiben wir im Moment handlungs- und entscheidungsfähig. Diskussionen, die vergangene Erfahrungen widerspiegeln, haben darin ebenso wenig Platz wie Hochrechnungen des Momentes in die Zukunft.

Viele Menschen beginnen ihren Tag mit den nicht erledigten Arbeiten des Vortages. Gedanklich haben diese Menschen schon einen großen Teil des gerade begonnenen Tages verplant und einige sind schon einen Tag weiter gereist in ihren Gedanken. Die Aufmerksamkeit im Jetzt ist also nur zu einem ganz kleinen Teil vorhanden. Dieser Teil reicht nicht aus, um fehlerfrei zu arbeiten, weil wir im wahrsten Sinne nicht bei der Sache sind. Kommt uns nun im Moment etwas dazwischen, so ist das Chaos der Überforderung, der Verurteilung und der Schuldzuweisungen perfekt im Hier und Jetzt angekommen. Und so manche ellenlange Diskussion und Debatte endet mit der Einsicht, dass sich dadurch nicht das Geringste verändert hat.

So haben die Zeitzonen der Vergangenheit, der Gegenwart, wie auch der Zukunft zur Trennung unseres schöpferischen Potenzials geführt und damit unweigerlich zur Trennung von uns selbst, von unserem wahren Selbst, welches außerhalb unserer irdischen Zeitrechnung existiert.

Werte im Wandel
Auch der Zeitgeist ist/wird durch unsere Wert- und Moralansichten, die sich im Laufe der Zeit gravierend verändert haben, geprägt. So ermöglichten die christlichen Werte von Ehe, Familie, Kinder wie auch Tugenden wie Ehrlichkeit, Fürsorge, Toleranz, Achtung und Wertschätzung ein Leben ohne zuviel Verwaltung, Regelungen, Gesetze und Paragrafen. Verlässlichkeit und Vertrauen bildeten die Grundlage für das miteinander Leben.

Politische Parteien griffen diese Werte auf und verknüpften sie mit Paragrafen und Gesetzen, wodurch ein neuer Weg eingeschlagen wurde. Nun spiegelten von Menschen geschaffene Gesetze die Denkweise eines Menschen wieder.

Die Spaßgesellschaft
Der Druck der Obrigkeit führte zum Einstieg in die Spaßgesellschaft. Freude, Liebe und Verbundenheit kompensierten den Druck und lockerten alte Weltanschauungen und Verhaltensstrukturen. Es begann eine neue Art der Sinnfindung. Bewusstseinserweiternde Drogen sollten den Horizont erweitern und die sexuelle Befreiung so manches Dogma aufbrechen. Die Sechziger machten nicht wirklich glücklich und viele suchten den Sinn des Lebens in östlichen Religionen und Kulturen.

Die Ich Mentalität
Die Ölkrise, Atomkraft und drohende Kriege beendeten die Flower-Power-Zeit und holten so manchen Hippie ins Jetzt zurück. Einige von ihnen gründeten die Partei der Grünen, andere findet man bei Greenpeace wieder. Ein Werteverfall begann und die Zahl der Kirchenaustritte nahm dramatisch zu. Das Wir-Gefühl verschwand und persönliche Werte spiegelten sich im Statusdenken wider. Es wurde materieller und Geld erhielt einen hohen Stellenwert, der den Selbstwert einiger Zeitgenossen ein wenig aufpolieren sollte. Schönheit, Kleidung, Essen und ein luxuriöser Lebensstil wurden für viele wichtig. Die Zahl der Ehescheidungen und der Arbeitslosen stieg an. Nach dem Euro nahm die Kaufkraft ab und neue Werte entstanden. Bildung, Qualifizierung, Flexibilität, Belastbarkeit, Teamfähigkeit lösten so manche christlichen Werte ab.

Die Sinnsuche
scheint inzwischen mehr auf die Suche eines qualifizierten Arbeitsplatzes beschränkt zu sein. Spitzenlöhne zum Schnäppchenpreis? Mindestlöhne nur auf Kosten von Arbeitsplätzen? Ist das der moderne Zeitgeist? Dann gehören auch Erweiterungen von Befugnissen der Justiz, Lauschangriff und das Speichern von persönlichen Daten wie Fingerabdruck, DNA sowie Telefon, Internet und Flugdaten zum modernen Zeitgeist, dem Geist der Angst, dem das Vertrauen abhanden gekommen ist und dem die Zuversicht, Zufriedenheit und Selbstannahme fehlt. So greift die Angst zur Kontrolle.

Es gibt kein zurück,
aber mit den gemachten Erfahrungen können wir ein neues Miteinader aufbauen. Darin beginnt der Einzelne sich seiner eigenen Stärken und Qualitäten bewusst zu werden. Ein Mensch, der sich seiner Fähigkeiten bewusst ist, braucht sich nicht mehr mit anderen zu vergleichen. Der Wettbewerb untereinander verliert sich dadurch und ein Gefühl von Gleichwertigkeit tritt in den Vordergrund. Wertschätzung für sich und seine eigene Arbeit bildet die Grundlage, auch ein Gefühl der Wertschätzung zu anderen Mitmenschen und deren Arbeit zu empfinden. Das wird dazu führen, dass nicht mehr auf Kosten anderer gelebt wird. Es wird aber auch dazu führen, dass der Einzelne wieder bereit ist, seiner Schwester oder seinem Bruder einen gerechten Ausgleich für ihre/seine Arbeit zu zahlen. Ein Gleichgewicht zwischen dem Geben und Nehmen bildet die Grundlage dieser neuen Gesellschaft. Die Einzelkämpfermentalität tritt in den Hintergrund und Geld wird nicht mehr überbewertet, sondern seiner Bestimmung entsprechend als Zahlungsmittel genutzt. Auch in dieser Gesellschaft wird es Menschen mit mehr oder weniger Geld geben, doch sind die jetzigen Extreme nicht mehr zu erkennen. Durch die Annahme füreinander kann eine bunte Gesellschaft miteinander in einer größeren Eigenverantwortlichkeit leben. Die Liebe, welches das Gefühl der Annahme in sich trägt, nutzt dann das Instrument der Kontrolle da, wo es angemessen ist, weil ihr das Gefühl des Vertrauens nicht abhanden gekommen ist. Lösungsorientiertes Denken bezieht dann die Ursache mit ein und so mancher wird erkennen, dass er an der Ursache nicht ganz unbeteiligt war.

Wer sich Zeit wünscht sollte sich Zeit nehmen. Fritz Henke